Erfahrungsberichte

Ein Jahr

Seit einem halben Jahr arbeite ich im Rahmen des FSJ bei Franziskus e. V. in der Textilwerkstatt. Dort werden an Holzwebstühlen in Handarbeit Teppiche und Stoffe hergestellt. Meine Aufgabe ist es, die Bewohner durch ihren Arbeitsalltag zu begleiten, ihnen beim Weben Hilfestellung zu geben und gemeinsam mit ihnen etwas Kreatives zu schaffen. Neben der kreativen Seite meiner Arbeit gefällt mir vor allem das Zusammensein mit den Betreuten selbst, sie in ihrer Einzigartigkeit kennen zulernen und liebevolle zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen. Mein FSJ bei Franziskus hat für mich persönlich bereits viel gebracht. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, mich selbst und auch meine Grenzen besser kennen gelernt und mich so weiterentwickelt. So habe ich vieles gelernt wie zum Beispiel Geduld, Einfühlungsvermögen sowie die Fähigkeit jeden Tag neu und intensiv zu leben und mich über kleine, alltägliche Dinge zu freuen. Vor allem in der ersten Zeit hat mir die freundliche und persönliche Atmosphäre bei Franziskus Halt gegeben und ich habe mich dort von Anfang an sehr wohl gefühlt.

Anna, 20 Jahre

Ein Tag in der Wohngruppe

Morgens um viertel vor sieben beginnt der Tag; aufstehen, anziehen, vielleicht schon mal Wäsche in den Wäschekeller bringen. Etwa um halb acht gibt es Frühstück, anschließend gehen wir zum Morgenkreis im Gemeinschaftshaus wo sich alle Bewohner und Mitarbeiter treffen um wichtige Informationen des Tages auszutauschen bevor wir ein Lied singen und einen Spruch sprechen. Dann findet die Übergabe in die Schreinerei, Weberei oder Hauswirtschaft statt. Um halb fünf am Nachmittag, nach einem Abschlusskreis in dem wir uns alle noch einmal zusammen gefunden haben, geht der Tag in der Wohngruppe weiter; ausruhen von der Arbeit bei Tee und Kaffee. Der Nachmittag steht uns frei für die Freizeitgestaltung, es gibt zum Beispiel zur Zeit einmal in der Woche einen Malkurs, wir gehen einkaufen, machen Spaziergänge an der Elbe oder in den umliegenden Feldern, manchmal bleiben wir auch zu Hause, putzen die Zimmer oder sitzen zusammen, hören und machen Musik, reden, Arzttermine müssen eingehalten werden, freitags gehen wir zum Schwimmen. Ungefähr um halb sieben gibt es Abendbrot, anschließend räumen wir die Küche zusammen auf, wer will geht danach ins Bett oder gesellt sich noch ein bisschen ins Wohnzimmer, bis um viertel nach neun eine Nachtbereitschaft kommt, die am nächsten Morgen wieder von dem Tagesdienst abgelöst wird. Am Wochenende beginnt der Tag etwas später, ungefähr um halb neun, wer will kann auch noch länger schlafen. Wir lassen uns bei allem sehr viel Zeit, frühstücken gemütlich. Samstags ist von elf bis halb eins Sport, wer kann, nimmt teil an Ballspielen, kleinen Kraftübungen und Konditionstraining. Das ist am Wochenende meist der einzige feste Termin. Manchmal gehen wir ins Museum, Kino oder fahren weiter weg zum Spazieren gehen. Einmal im Monat findet dann noch die beliebte Disco statt; Tanzen und Brause trinken. Sonntags gehen einige von uns in die Kirche und der Tag kann ebenso frei gestaltet werden wie der Samstag.

Erinnerungen einer Dänin

Meine Erinnerungen an Franziskus e. V., wo ich mein Praktikum als Gärtnerin anfing, sind liebevoll. Mit nur 19 Jahren zog ich aus das Haus meiner Eltern in Dänemark, um mich für ein Jahr in Hamburg als Teil des Erasmusprogrammes selbstständig zu machen. Ich hatte zu der Zeit überhaupt keine früheren Erfahrungen mit Behinderten gemacht, aber war darauf eingestellt, etwas Außergewöhnliches zu erleben, bevor ich meine weitere Ausbildung anfangen sollte. In Zusammenarbeit mit Herrn Josef Erdmann arbeitete ich dann 37,5 Stunden in der Woche in Begleitung von 3 bis 4 Betreuten tagsüber. Die Arbeit war schon anstrengend, aber brachte sehr viel Spaß mit sich. Hauptsächlich waren wir für den Garten verantwortlich, dazu kam Einkaufen und den Hof sauber zu halten. Einige unsere Aufgaben waren z. B. ein Gartenhaus vom Boden an aufzubauen, Schränke bauen, um die Kräuter vom Garten zu trocknen und schöne Blumen einzupflanzen, die die Häuser sehr schätzten. Herr Erdmann gab mir sehr viel Verantwortung und ließ mich meinen Rhythmus mit den einzelnen Betreuten selber entwickeln, was ich sehr positiv fand, weil ich dabei persönlich näher an den einzelnen Betreuten kam. Viel haben wir gearbeitet und viel Spaß haben wir gehabt. Josef und ich verstanden uns sehr gut und die Arbeit lief unproblematisch. Als Dänin brachte ich schon Sprachkenntnisse mit. Ich hatte mehrere Jahre Deutsch in der Schule gelernt und konnte viel verstehen, das Sprechen war viel problematischer. Aber meine Kollegen haben sich Zeit für mich genommen, um mich zum Ausdrücken geholfen und dabei hat sich meine Sprache entwickelt. Ich wohnte mit Praktikanten im gleichen Alter zusammen und alleine habe ich mich nie gefühlt, weil es immer Leute gab, mit denen man sich unterhalten oder Hilfe bekommen konnte, wenn man Probleme oder Fragen hatte. Mein Aufenthalt in Franziskus ist eine sehr wichtige Periode in meinem Leben geworden. Umgang und Einsicht in anderen Menschen wurde mir eine sehr wichtige Erfahrung. Dazu kommt Totalkommunikation sowohl mit verbalen als mit nonverbalen Menschen als Arbeitswerkzeug. Weil Franziskus wie eine Familie ist, lernt man schnell Menschenethik und gegenseitiges Verständnis für einander als Menschen. Franziskus ist und verbleibt eine Erinnerung an schöne herausfordernde Zeiten im Umgang mit Menschen aller Naturen.

Karen

























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